Rezeptprozente sind Gewichtsprozente
Wenn ein Rezept in dieser App eine Zutat mit einem Prozentwert versieht, ist damit in allen vier Produktwelten derselbe Bezug gemeint: der Gewichtsanteil an der Gesamtmasse des Ansatzes (Gewichtsprozent, chemisch "w/w" – weight/weight). 10 % in einem 100-g-Ansatz sind 10 g, unabhängig davon, ob die Zutat dünnflüssig wie Wasser oder dickflüssig wie ein Balsam ist. Das ist auch der Grund, warum eine Waage in jeder Welt das zentrale Arbeitsgerät ist – nicht ein Messbecher.
Die Ausnahme: Alkoholstärke als Rohstoffeigenschaft
Wodka, Rum, Whiskey oder Ethanol tragen zusätzlich eine eigene Prozentangabe, die sich nicht auf das Rezept, sondern auf den Rohstoff selbst bezieht: seine Alkoholstärke in Volumenprozent (Vol.-%), wie auf jeder Spirituosenflasche. "Wodka 40 Vol.-%" bedeutet, dass 40 von 100 Volumenteilen des Getränks reiner Alkohol sind – eine feste Eigenschaft des eingekauften Produkts, die mit dem Rezeptanteil dieses Wodkas im fertigen Ansatz nichts zu tun hat. Ein Rezept kann z. B. 30 % (Gewicht) eines 40-Vol.-%-Wodkas enthalten – zwei unabhängige Zahlen, die zufällig beide "Prozent" heißen.
Warum diese Unterscheidung nicht nur Haarspalterei ist
Volumen- und Gewichtsprozent sind nur bei Wasser dasselbe (1 ml Wasser wiegt 1 g). Reiner Alkohol ist deutlich leichter als Wasser: 1 ml reines Ethanol wiegt nur rund 0,79 g. Deshalb lässt sich aus der Alkoholstärke (Vol.-%) einer Spirituose nicht ohne Weiteres ablesen, wie viel Gramm reiner Alkohol in einer bestimmten Gewichtsmenge dieser Spirituose stecken – dafür braucht es zusätzlich die Dichte des Gemischs, die von der Alkoholstärke selbst abhängt. Diese App rechnet das intern über eine Referenztabelle (siehe Stäbchendiffuser für ein Beispiel, bei dem Dichte und Trägerwahl eng zusammenhängen).
Milliliter als Mengeneingabe
Bei manchen Rohstoffen lässt sich die Menge alternativ in Millilitern statt in Gramm eingeben – praktisch bei Flüssigkeiten, die üblicherweise abgemessen statt gewogen werden. Die App rechnet diese Angabe intern sofort in Gramm um, über die Dichte (Gramm pro Milliliter) des jeweiligen Rohstoffs. Bei einem festen Wert ist das eine einfache Multiplikation; bei Ethanol-Wasser-Gemischen unbekannter oder abweichender Stärke hängt die Dichte selbst wieder von der Alkoholstärke ab (siehe oben) – ist beides unbekannt, bleibt die Umrechnung offen, statt eine unbelegte Zahl anzuzeigen. Am Rezept gespeichert wird in jedem Fall der Gewichtsanteil, nicht die ursprüngliche Milliliterangabe.
Tropfen: eine Hilfsgröße, keine feste Einheit
In der Duftwelt lässt sich eine Duftölmenge zusätzlich als ungefähre Tropfenzahl anzeigen – reine Orientierungshilfe für die Werkbank, keine Maßeinheit mit festem Wert. Ein Tropfen ist nicht überall gleich groß: Er hängt von der Flüssigkeit und von der Öffnung ab, aus der er austritt. Die App legt dafür einen Standardwert (25 Tropfen pro Milliliter) zugrunde, der sich bei Bedarf anpassen lässt – auch hier bleibt die tatsächlich gespeicherte Rezeptgröße das Gewicht in Gramm, die Tropfenzahl ist nur die daraus abgeleitete Anzeige.
Bei ätherischen Ölen und Duftstoffen tropft man praktisch nie aus der bloßen Flaschenöffnung, sondern über einen Tropfeinsatz (auch Tropfeinlage oder, im Handel oft englisch, "Orifice Reducer" genannt) – ein kleiner Kunststoff- oder Glaseinsatz mit einer sehr engen Öffnung, der im Flaschenhals sitzt. Diese Öffnung ist der eigentliche Grund, warum sich Duftöle überhaupt tropfenweise statt in einem Schwall dosieren lassen: Ohne sie würde eine dünnflüssige Flüssigkeit einfach herauslaufen.
Wie groß ein einzelner Tropfen wird, hängt von zwei Dingen gemeinsam ab: dem Durchmesser der Öffnung im Tropfeinsatz und den Eigenschaften der Flüssigkeit selbst. Ein Tropfen wächst am Auslass so lange, bis sein Gewicht die Kraft übersteigt, die ihn dort festhält – diese Haltekraft entsteht durch die Oberflächenspannung der Flüssigkeit an der Öffnung. Je enger die Öffnung und je höher die Oberflächenspannung, desto größer kann ein Tropfen werden, bevor er abreißt; eine höhere Dichte macht denselben Tropfen dagegen schwerer und damit in Gramm gewichtiger, obwohl sein Volumen gleich bleibt. Zähflüssige Stoffe wie manche Absolues oder Resinoide bilden zusätzlich oft größere, unregelmäßigere Tropfen als dünnflüssige ätherische Öle – deshalb weicht ihr tatsächlicher Tropfenwert häufig spürbar vom pauschalen Standardwert der App ab, und eine eigene Kalibrierung (Tropfen abzählen, auf die Waage geben, daraus das eigene Verhältnis errechnen) lohnt sich dort besonders.
Feinstdosierung: wenn selbst Tropfen zu ungenau sind
Bei sehr niedrig dosierten, aber stark riechenden oder eng IFRA-begrenzten Duftstoffen (z. B. Eichenmoos, bestimmte Absolues oder Rosenketone) reicht Tropfen zählen nicht mehr, und selbst direktes Wiegen der winzigen Reinmenge stößt an zwei unabhängige Fehlerquellen zugleich: die Ablesegenauigkeit der Waage (siehe oben) und den Materialverlust an den Gefäßwänden. Gerade zähere Öle und Absolues bleiben beim Ausgießen aus einem kleinen Gefäß spürbar an der Wand hängen – bei einer ohnehin winzigen Zielmenge macht dieser Wandfilm einen erheblichen, nicht durch eine feinere Waage korrigierbaren Anteil der eigentlich gewollten Menge aus.
Die in der Parfümerie übliche Lösung für beide Probleme gleichzeitig ist eine Verdünnung (Stammlösung): Der Reinstoff wird zunächst in einem bekannten, deutlich höheren Verhältnis in einem passenden, mit dem Endprodukt verträglichen Trägerstoff gelöst – üblich sind 10 % für die meisten Rohstoffe, 5 % für teure Absolues wie Rose oder Jasmin, und 1 % für extrem starke oder eng begrenzte Rohstoffe wie Eichenmoos. Für die eigentliche Rezeptur wird dann nicht mehr die winzige Reinmenge abgewogen, sondern eine entsprechend größere, viel genauer wägbare Menge dieser Verdünnung.
Rechenbeispiel10 g einer 10-%-Verdünnung entstehen aus 1 g Reinstoff plus 9 g Träger. Werden 0,05 g Reinstoff im fertigen Ansatz benötigt – kaum noch verlässlich abwiegbar –, entsprechen diese 0,05 g genau 0,5 g der 10-%-Verdünnung: eine zehnfach größere und damit deutlich zuverlässiger wägbare Menge. Derselbe absolute Ablesefehler der Waage macht dadurch nur noch ein Zehntel des relativen Fehlers aus.
Zwei weitere Fehlerquellen lassen sich mit einfachen Handgriffen ausschalten, unabhängig von der Waagenauflösung: Erstens direkt in das spätere Zielgefäß einwiegen statt in ein separates kleines Gefäß, aus dem später umgegossen werden muss – jedes Umgießen hinterlässt einen Wandfilm, der bei kleinen Mengen erheblich ins Gewicht fällt. Die Tara-Funktion der Waage ist genau dafür gedacht: Zielgefäß auf die Waage stellen, auf null tarieren, dann direkt hineinwiegen. Zweitens zähflüssige Absolues und Resinoide vor dem Abwiegen leicht anwärmen (Wasserbad, keine offene Flamme) – das senkt die Viskosität, lässt sie vollständiger aus Pipette oder Gefäß laufen und verringert so den hängenbleibenden Rest zusätzlich.
Rezepte hoch- oder runterrechnen: Prozente bleiben, Rundungsfehler wachsen
Einen 100-g-Ansatz auf 250 g oder auf 50 g zu bringen, ist reine Prozentrechnung: Jeder Prozentwert bleibt exakt gleich, nur die Grammangabe je Zutat wird neu berechnet (Prozent × neue Zielmenge). Ein häufiger Fehler ist, dabei nur einzelne Zutaten "über den Daumen" hochzuschätzen, statt konsequent jede einzelne neu umzurechnen – das verschiebt unbemerkt das Verhältnis der Zutaten zueinander, gerade bei kleinen, aber wichtigen Anteilen wie Konservierung, Emulgator oder einem einzelnen Duftöl mit enger IFRA-Grenze.
Rundungsfehler fallen bei kleinen Prozentsätzen und kleinen Ansätzen besonders ins Gewicht, weil hier eine winzige Grammabweichung einen großen relativen Fehler bedeutet: 0,3 % von 50 g sind 0,15 g – eine übliche Feinwaage mit 0,1-g-Schritten rundet das bereits auf 0,1 oder 0,2 g, eine Abweichung von über 30 % gegenüber dem eigentlichen Zielwert. Bei größeren Chargen verschwindet dasselbe Rundungsproblem fast: 0,3 % von 1000 g sind 3 g, eine 0,1-g-Rundung macht davon nur wenige Prozent aus. Deshalb ist eine kleine Testcharge nicht automatisch die sicherere Wahl – bei sehr niedrig dosierten Zutaten kann eine größere Menge oder eine feinere Waage (0,01 g) das genauere Ergebnis liefern.
Bei Tropfen kommt zur normalen Rundung noch eine zweite Stufe hinzu: Eine Tropfenzahl ist immer eine ganze Zahl, es gibt keinen "halben Tropfen". Wird aus einer sehr kleinen Gewichtsmenge eine Tropfenzahl abgeleitet und diese auf ganze Tropfen gerundet, kann allein dadurch schon ein zweistelliger relativer Fehler entstehen – unabhängig von der Waage. Bei einer sehr kleinen Zielmenge (wenige Zehntelgramm) ist direktes Wiegen deshalb zuverlässiger als Tropfen zu zählen; Tropfen eignen sich am besten für Mengen, bei denen mehrere Dutzend Tropfen zusammenkommen, weil sich einzelne Rundungsschritte dort gegenseitig ausmitteln.
Ein schneller Kontrollschritt vor jeder Herstellung lohnt sich unabhängig davon immer: Summieren sich alle Prozentangaben der Rezeptur auf 100 %? Weicht die Summe spürbar ab, hat sich meist beim Übertragen oder Anpassen ein Fehler eingeschlichen – lange bevor er an der Waage sichtbar würde.
Zwei getrennte Prozent-Bezugsgrößen im Duftrezept
Im Duft-Workspace kommen zwei unterschiedliche Prozentbezüge nebeneinander vor, die leicht zu verwechseln sind: Die Kopf-/Herz-/Basisnoten summieren sich zu 100 % der reinen Duftkomposition. Alkohol, Trägeröl oder Diffusor-Basis stehen dagegen für sich als Verdünnung der ganzen Mischung und zählen nicht in diese 100 % hinein – sie sind eine zweite, unabhängige Größe (siehe Trägersysteme für Stäbchendiffuser). Beide Bezugsgrößen sind in der App an unterschiedlicher Stelle sichtbar, damit sie sich nicht in einer gemeinsamen Summe vermischen.