Die Pflanze bestimmt das Verfahren
Ein ätherisches Öl entsteht durch Wasserdampfdestillation. Die setzt voraus, dass die Duftstoffe flüchtig genug und hitzestabil sind. Bei Lavendel, Pfefferminze oder Sandelholz ist das der Fall.
Bei Jasmin, Tuberose, Kakao, Kaffee oder Tabak nicht: Deren Dufttäger sind zu schwer oder zerfallen in der Hitze. Destilliert man sie trotzdem, bekommt man entweder fast nichts oder etwas Verbranntes, das mit der Pflanze nichts mehr zu tun hat. Deshalb gibt es für sie andere Wege.
Wasserdampfdestillation → ätherisches Öl
Wasserdampf strömt durch das Pflanzenmaterial und nimmt die flüchtigen Bestandteile mit. Beim Abkühlen trennen sich Öl und Wasser; das Wasser bleibt als Hydrolat zurück.
Das ist das häufigste Verfahren – in NakoA stammt die große Mehrheit der Duftöle daher. Eine Sonderform ist die Kaltpressung bei Zitrusschalen: Dort sitzt das Öl in Behältern direkt unter der Schale und lässt sich mechanisch herauslösen, ganz ohne Wärme.
Lösungsmittelextraktion → Concrète, Absolue, Resinoid
Hier wird nicht erhitzt, sondern gelöst. Ein Lösungsmittel zieht bei niedriger Temperatur die duftenden Öle und Wachse heraus. Nach dem Abdampfen bleibt eine wachsartige Masse, die Concrète.
- Wird die Concrète mit Alkohol gewaschen und von den Wachsen befreit, entsteht das Absolue – flüssig, sehr geruchstreu, meist teuer. Jasmin-Absolue kostet ein Vielfaches der meisten ätherischen Öle.
- Geht man denselben Weg nicht von Blüten, sondern von einem Harz aus, heißt das Ergebnis Resinoid – etwa bei Myrrhe, Weihrauch, Benzoe oder Elemi.
Ein Absolue ist also kein minderwertiger Ersatz für ein ätherisches Öl, sondern häufig das hochwertigere und geruchstreuere Material.
Was Hexan ist
Das gebräuchlichste Lösungsmittel dafür ist Hexan: ein farbloser, sehr flüchtiger Kohlenwasserstoff aus Erdöl, der auch in Benzin vorkommt.
Nicht mit Benzol verwechseln. Die Namen klingen ähnlich, die Stoffe sind es nicht – Benzol ist krebserregend, Hexan ist es nicht.
Nach der Extraktion wird das Hexan im Vakuum wieder abgedampft; zurück bleiben Spuren im Bereich weniger Millionstel. Sein bekanntes Risiko ist Nervenschädigung bei dauerhaftem Einatmen hoher Konzentrationen – ein Arbeitsschutzthema in der Extraktionsanlage, nicht bei Spuren in einem Parfüm.
Wenn manche Naturkosmetik-Standards Lösungsmittelextrakte trotzdem einschränken, ist das deshalb kein toxikologischer, sondern ein grundsätzlicher Vorbehalt: Erdöl als Hilfsstoff im Herstellungsweg, unabhängig davon, ob am Ende etwas davon übrig ist.
CO₂-Extraktion – Select und Total
Der dritte Weg arbeitet mit Kohlendioxid unter hohem Druck. Es verhält sich dabei wie ein Lösungsmittel, entweicht aber beim Druckabbau vollständig – der Extrakt ist rückstandsfrei. Zwei Spielarten werden getrennt gehandelt:
- CO₂-Select (unterkritisch): nur die leichteren Bestandteile, im Ergebnis näher an einem ätherischen Öl.
- CO₂-Total (überkritisch): auch Wachse und Harze, näher an der ganzen Pflanze – oft dickflüssig bis pastös und dadurch schwerer zu dosieren.
Höherwertig ist das nicht automatisch. CO₂-Extrakte riechen oft anders, nicht besser; für Jasmin bleibt das Absolue der Maßstab. Und CO₂ löst nicht alles heraus: Es ist unpolar und holt fettlösliche Stoffe gut, polare schlecht. Eine andere Auswahl also, keine größere.
Isolat, Mazerat, Tinktur
- Ein Isolat ist ein einzelner Stoff, der aus einem Gemisch herausgetrennt wurde – Menthol aus Minzöl zum Beispiel. Isolate sind fast immer lauter als das Öl, aus dem sie stammen, weil ihre Wirkung nicht mehr auf viele Begleitstoffe verteilt ist – siehe Duftintensität – wie laut ein Rohstoff ist.
- Ein Mazerat entsteht, wenn Pflanzenteile in fettem Öl ausgezogen werden. Es duftet meist nur schwach und ist eher Pflege- als Duftrohstoff.
- Eine Tinktur ist ein Auszug in Alkohol.
Warum der Name nicht alles verrät
Im Handel heißt vieles schlicht „Extrakt“ – Mazerate, Tinkturen und Absolues gleichermaßen. Auch die INCI hilft nicht weiter: „Coffea Arabica Seed Extract“ passt auf den alkoholischen Auszug, das Absolue und den CO₂-Extrakt gleichermaßen, denn sie nennt das Verfahren nicht.
In NakoA steht die Genauigkeit deshalb nicht im Namen, sondern in den Feldern Stoffart und Gewinnung. Zwei Rohstöffe dürfen denselben Anzeigenamen tragen und trotzdem verschiedene Materialien sein – wer wissen will, was er vor sich hat, schaut dorthin.