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Grundlagen · Seife

Seifenarten nach Zweck

Körper, Gesicht, Haar, Hand, Rasur, Salz-, Flüssig- und Solesteife – warum jede Zielgruppe andere Zielwerte braucht.

Acht Seifenarten, ein gemeinsames Grundprinzip

Die App unterscheidet acht Seifenarten – Körper-, Gesichts-, Haar-, Hand-, Rasier-, Salz-, Flüssig- und Soleseife. Alle beruhen auf demselben Grundprinzip aus Kapitel 1, unterscheiden sich aber in Laugenunterschuss, Base (NaOH/KOH), erlaubtem Verfahren und teils in verpflichtenden Zusätzen – zusammengefasst je Seifenart als hinterlegte Regel, die die Berechnung im Hintergrund automatisch berücksichtigt.

Die vier alltäglichen Grundtypen

Körperseife bewegt sich mit 5–10 % Laugenunterschuss (Startwert 7 %) im mittleren, ausgewogenen Bereich zwischen Pflege und Reinigung. Gesichtsseife liegt mit 6–10 % (Start 8 %) leicht darüber – Duft und Zusätze werden hier besonders zurückhaltend gewählt. Handseife bewegt sich bei 3–8 % (Start 5 %) und ist auf häufige Anwendung und Alltagstauglichkeit ausgelegt. Haarseife dagegen liegt mit nur 3–5 % (Start 4 %) deutlich niedriger, weil ein zu hoher Überfettungsanteil den Schaum und die Reinigungsleistung auf dem Haar stärker mindert als bei Körperseife – zu bedenken bleibt dabei, dass Haarseife alkalisch ist und die Haarfaser aufrauen kann, eine trichologische Eignungsaussage macht die App bewusst nicht.

Körper: 5–10 %Gesicht: 6–10 %Hand: 3–8 %Haar: 3–5 %

Rasierseife: Mischverseifung für dichten, stabilen Schaum

Rasierseife setzt mit 5–10 % Laugenunterschuss (Start 8 %) und einer niedrigeren Laugenkonzentration von 25 % gezielt auf eine Mischverseifung aus NaOH und KOH – die Kombination liefert einen dichteren, stabileren und langlebigeren Schaum als eine reine NaOH-Seife, was für die Rasur entscheidend ist. Verarbeitet wird sie ausschließlich im Heißverfahren (Kapitel 6). Wichtig vor dem Ansetzen: KOH-Reinheit und das NaOH/KOH-Verhältnis nochmals gegen die tatsächlich verwendeten Ausgangsstoffe prüfen, da hier zwei Basen gleichzeitig in die Berechnung eingehen.

Salzseife und Soleseife: zwei unterschiedliche Wege zu Salz in der Seife

Salzseife und Soleseife klingen ähnlich, funktionieren aber technisch verschieden. Bei Salzseife wird Natriumchlorid mit 50–100 % bezogen auf die Fettmenge direkt als Zusatz zur Seifenmasse geführt, verpflichtend kombiniert mit mindestens 70 % Schaumfetten und einem Laugenunterschuss von 15–20 % (Start 20 %) – Salz dämpft den Schaum spürbar und beschleunigt das Härten, weshalb frühes Schneiden nötig bleibt. Bei Soleseife dagegen wird das Salz vollständig in der Laugenflüssigkeit gelöst, bevor die Lauge angesetzt wird, bis maximal 26 % Salzkonzentration der fertigen Salzlösung – die Löslichkeitsgrenze, nicht ein Anteil an der Fettmenge, ist hier die maßgebliche Größe. Soleseife läuft ausschließlich im Kaltverfahren, Salzseife in beiden Verfahren.

Der Zeitpunkt der Salzzugabe bei Salzseife ist dabei kein Detail, sondern Teil des Verfahrens: Das Salz kommt erst in die bereits stabile Emulsion beziehungsweise nach abgeschlossener Kochphase (Kapitel 5, 6), nie vorher – vorzeitig zugesetztes Salz kann die Emulgierung selbst stören, bevor sie überhaupt stabil ist. Form, Portionierung und Schnittfolge stehen deshalb schon vor der Salzzugabe bereit, weil danach zügig eingeformt werden muss.

Salzseife

Salz als Zusatz zur Fettmasse, 50–100 % der Fettmenge, mind. 70 % Schaumfette, 15–20 % Laugenunterschuss.

Soleseife

Salz in der Laugenflüssigkeit gelöst, max. 26 % Konzentration der Salzlösung, nur Kaltverfahren.

Flüssigseife: KOH-Paste statt fester Riegel

Flüssigseife nutzt ausschließlich KOH, einen sehr engen Laugenunterschuss von 1–3 % (Start 2 %) und eine Laugenkonzentration von 25 %, verarbeitet im Heißverfahren. Herstellung und Verdünnung werden bewusst getrennt bilanziert: Zuerst entsteht eine Seifenpaste (üblich 15–50 % Pastenanteil, Start 30 %), die erst danach mit Wasser auf die gewünschte Viskosität verdünnt wird – Härte- und Stückseifenprofile aus den anderen Seifenarten lassen sich auf das verdünnte Endprodukt nicht übertragen. KOH-Reinheit sollte vor dem Ansetzen am tatsächlichen Produkt geprüft werden, da sie zwischen Herstellern schwankt.

Vertiefung

Vertiefung: Warum dieselbe Fettmischung in unterschiedlichen Seifenarten unterschiedlich wirkt

Eine identische Fettmischung ergibt je nach gewählter Seifenart ein anderes Ergebnis, weil Laugenunterschuss, Base und Zusätze die Eigenschaften aus Kapitel 3 unterschiedlich verschieben: Dieselbe milde Körperseifen-Rezeptur wird mit dem niedrigeren Haarseifen-Laugenunterschuss reinigungsstärker, mit dem Salzseifen-Rahmen durch das viele Salz deutlich härter und schaumärmer. Die Seifenart ist deshalb keine reine Geschmacksfrage am Ende, sondern eine frühe Entscheidung, die die gesamte weitere Rezeptur mitbestimmt.

Vertiefung

Vertiefung: Warum manche Kombinationen technisch ausgeschlossen sind

Nicht jede Kombination aus Seifenart und Verfahren ist hinterlegt: Soleseife läuft nur im Kaltverfahren, Rasier- und Flüssigseife nur im Heißverfahren – jeweils aus den in Kapitel 5, 6 und diesem Kapitel genannten fachlichen Gründen. Wer eine nicht vorgesehene Kombination sucht, findet sie deshalb bewusst nicht in der Auswahl; das ist keine Lücke, sondern eine geprüfte fachliche Grenze.