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Grundlagen · Seife

Laugenflüssigkeit jenseits von Wasser

Milch, Säfte, Kräuteraufgüsse als Laugenflüssigkeit – Chancen, Risiken und was dabei zu beachten ist.

Warum überhaupt etwas anderes als Wasser

Die Laugenflüssigkeit (Kapitel 4) muss nicht zwingend Wasser sein – Milch, Säfte, Pflanzenmilch oder Kräuteraufgüsse bringen zusätzliche Bestandteile in die Seife ein, verändern aber auch das Verhalten während der Herstellung teils deutlich. Wer zum ersten Mal von reinem Wasser abweicht, sollte deshalb genau die Eigenschaften der jeweiligen Flüssigkeit kennen, statt sie wie Wasser zu behandeln.

Milch: einfrieren statt direkt einrühren

Tierische Milch (Kuh, Ziege, Schaf) enthält Proteine und Milchzucker, die bei Hitze verbrennen und dabei unangenehm riechen sowie die Seife bräunen. Die Standardlösung: Milch als Eiswürfel einfrieren und die Lauge langsam darübergeben – die Kälte der Eiswürfel fängt einen Teil der Reaktionswärme ab, bevor sie das empfindliche Milcheiweiß erreicht. Das enthaltene Milchfett erhöht zusätzlich die Pflege der fertigen Seife.

Wichtig ist dabei nicht nur die Kühlung selbst, sondern auch das Tempo: Die Base wird portionsweise zugegeben, nicht auf einmal, und zwischen den Portionen wird die Temperaturentwicklung beobachtet – zeigt sich eine auffällige Erwärmung, wird mit der nächsten Portion gewartet, statt zügig weiterzuarbeiten. Dieselbe portionsweise Zugabe mit Temperaturkontrolle gilt für jede zucker- oder milchhaltige Laugenflüssigkeit, nicht nur für tierische Milch.

Milch- und zuckerhaltige Rezepturen werden zudem praktisch ausschließlich im Kaltverfahren angesetzt, nicht im Heißverfahren – die zusätzliche Prozesswärme dort würde den ohnehin erhöhten Zucker- und Proteinabbau weiter verstärken. Und selbst im Kaltverfahren gilt für sie eine Ausnahme von der freien Wahl aus Kapitel 5: Die Gelphase wird hier bewusst vermieden statt zugelassen, weil Zucker die Reaktionswärme zusätzlich befeuert und das Überhitzungs- beziehungsweise Vulkan-Risiko (Kapitel 5) bei diesen Rezepturen deutlich erhöht – die Form bleibt also kühl und offen, nicht warm eingepackt.

Trotzdem nicht hitzefreiAuch mit Eiswürfeln bleibt die Lauge-Milch-Mischung ätzend und muss mit derselben Schutzausrüstung wie jede andere Lauge (Kapitel 2) angesetzt werden.

Säfte und Pflanzenmilch: Zucker, Säure und fehlender Fett-Boost

Obst- und Gemüsesäfte enthalten Fruchtzucker, der beim Kontakt mit der Lauge zusätzliche Hitze erzeugt, sowie milde Säuren, die einen kleinen Teil der Lauge binden – dadurch steigt die tatsächliche Überfettung leicht über den berechneten Wert. Praktisch bedeutet das: Lauge gut kühlen, bevor sie mit dem Saft angesetzt wird. Hafer-, Reis- oder Mandelmilch (Pflanzenmilch) verhalten sich ähnlich zuckerbedingt hitzebildend und machen den Schaum cremiger, bringen aber – anders als tierische Milch – keinen relevanten Fett-Boost in die Rezeptur.

Milch: Fett-Boost, einfrierenSaft: Säure bindet Lauge, kühlenPflanzenmilch: cremig, kein Fett-Boost

Wasserhärte: der unterschätzte Standardfall

Auch beim naheliegendsten Fall, reinem Wasser, lohnt ein zweiter Blick: Leitungswasser enthält Kalk und Mineralien, die mit der fertigen Seife zu unlöslicher Kalkseife reagieren – das mindert den Schaum und kann "Ranzen" (DOS, Kapitel 10) begünstigen. Destilliertes oder demineralisiertes Wasser umgeht das Problem von vornherein; wer dennoch Leitungswasser einsetzt, kann Zitronen- oder Milchsäure als Zusatz nutzen, um den Kalk als Chelatbildner zu binden.

Die Mengengrenzen bleiben unabhängig von der Flüssigkeitsart

Unabhängig davon, welche Flüssigkeit verwendet wird, gelten dieselben Warnschwellen wie bei reinem Wasser: Unter etwa 25 % Flüssigkeit bezogen auf die Fettmenge steigt die sogenannte Blitzbeton-Gefahr – die Lauge löst sich schwer und die Mischung kann unkontrolliert und sehr schnell fest werden. Unter 28 % dickt der Seifenleim generell sehr schnell an, über 35 % bleibt die Seife lange weich und klebt womöglich beim Ausformen. Bei der Laugenkonzentration gilt Ähnliches: über 40 % ist ebenfalls Blitzbeton-Gefahr, über 33 % dickt die Mischung schnell an, unter 26 % bleibt sie lange weich.

Blitzbeton-GefahrDer Fachausdruck für eine Lauge-Fett-Mischung, die durch zu wenig Flüssigkeit oder zu hohe Laugenkonzentration innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten fest wird – kaum mehr verarbeitbar und kein normaler, nur schnellerer Verlauf der Spur (Kapitel 5).

Vertiefung

Vertiefung: Kräuteraufgüsse und ätherische Zusätze in der Laugenflüssigkeit

Kräuteraufgüsse (etwa ein starker Kamillen- oder Ringelblumensud) lassen sich grundsätzlich wie Wasser einsetzen, bringen aber Pflanzenstoffe in unbekannter, nicht standardisierter Konzentration mit ein – eine gezielte pflegende oder beruhigende Wirkung der fertigen Seife lässt sich daraus nicht ableiten, wie es die App bei entsprechenden Rezeptur-Zusätzen an anderer Stelle bereits konsequent formuliert (Kapitel 8). Farblich können solche Aufgüsse zudem unter Lauge- und Hitzeeinfluss anders reagieren als erwartet und nachdunkeln.