Zurück zum Wissensschatz

Grundlagen · Seife

Rezepturen anpassen & skalieren

Batchgröße ändern, Öle austauschen, Lauge korrekt neu berechnen.

Batchgröße ändern: Prozentanteile bleiben, alles andere skaliert mit

Eine Rezeptur größer oder kleiner zu machen ist der einfachste Anpassungsfall: Die Prozentanteile der Fette zueinander bleiben unverändert, nur die Gesamtfettmenge wird mit demselben Faktor multipliziert wie alle anderen Mengen – Lauge, Flüssigkeit, Zusätze. Aus 500 g Gesamtfett werden bei Verdopplung 1000 g, aus 50 g Olivenöl-Anteil (10 %) werden 100 g, und so weiter für jede einzelne Position. Die App übernimmt diese Skalierung automatisch bei einer Änderung der Batchgröße; von Hand nachzurechnen dient vor allem dem Verständnis.

Öle austauschen: gleiche Rolle ersetzt nicht automatisch dieselbe Menge Lauge

Wird ein Öl gegen ein anderes mit ähnlicher Rolle ausgetauscht – etwa ein Hartfett gegen ein anderes Hartfett (Kapitel 3) –, bleibt der Fettanteil in Prozent zwar oft gleich, die benötigte Laugenmenge aber praktisch nie: Jedes Fett hat eine eigene Verseifungszahl (Kapitel 4), und zwei Hartfette mit ähnlichem Härtebeitrag können trotzdem unterschiedliche SAP-Werte haben. Kokosöl etwa braucht mit einer Verseifungszahl von 0,183 (als NaOH) spürbar mehr Lauge pro Gramm als Sheabutter mit 0,128 – ein reiner 1:1-Grammtausch ohne Neuberechnung der Lauge würde die Rezeptur entweder unter- oder überlaugen.

Nach jedem Ölaustausch neu rechnenEin Ölaustausch ist niemals nur ein Zutatentausch – er verändert fast immer die exakt benötigte Laugenmenge. Die App berechnet das automatisch neu, sobald die Fettmischung geändert wird; ein von Hand notiertes altes Laugenergebnis auf eine geänderte Fettmischung weiterzuverwenden ist ein häufiger, vermeidbarer Fehler.

Laugenunterschuss und Laugenkonzentration beim Skalieren unverändert lassen

Anders als die absolute Laugenmenge bleiben Laugenunterschuss (in Prozent, Kapitel 4) und Laugenkonzentration (ebenfalls in Prozent) beim reinen Skalieren einer Rezeptur unverändert – sie sind bereits relative Größen und müssen nicht mitskaliert werden. Nur wenn bewusst die Seifenart gewechselt wird (etwa von Körper- zu Handseife, Kapitel 8), ändern sich auch diese beiden Werte, weil jede Seifenart einen eigenen, fachlich begründeten Rahmen mitbringt.

Vertiefung

Vertiefung: Basiswechsel zwischen NaOH und KOH bei bestehender Rezeptur

Wird eine bestehende NaOH-Rezeptur auf KOH umgestellt (oder umgekehrt), reicht ein einfacher Faktor nicht: Verseifungszahlen werden zwar meist einheitlich als KOH-Wert geführt (Kapitel 4) und lassen sich über das Molmassenverhältnis (Kaliumhydroxid ≈ 56,1 g/mol, Natriumhydroxid ≈ 40,0 g/mol) ineinander umrechnen, doch der übliche Laugenunterschuss-Bereich unterscheidet sich deutlich zwischen fester NaOH-Seife (meist 3–8 %) und KOH-basierter Flüssigseife (meist 1–3 %, Kapitel 8, 13) – ein reiner Umrechnungsfaktor ohne Anpassung des Laugenunterschusses würde die fachlich vorgesehene Sicherheitsmarge der jeweiligen Seifenart verfehlen.

Vertiefung

Vertiefung: Verfahrenswechsel bei bestehender Rezeptur

Eine für das Kaltverfahren ausgelegte Rezeptur lässt sich grundsätzlich auch im Heißverfahren verarbeiten und umgekehrt (Kapitel 5, 6) – Fettmischung, Laugenmenge und Laugenunterschuss bleiben dabei unverändert, verändern sich also gerade nicht durch den Verfahrenswechsel. Was sich ändert, ist die Zeit bis zur ersten sicheren Nutzung (kürzer beim Heißverfahren) und die Optik der Verarbeitung (feiner beim Kaltverfahren) – eine rein handwerkliche, keine rechnerische Entscheidung.