Beispiel 1: Milde Körperseife im Kaltverfahren
500 g Gesamtfett, Körperseife (Kapitel 8), 8 % Laugenunterschuss, NaOH, Kaltverfahren (Kapitel 5): Olivenöl 40 % (200 g), Kokosöl 30 % (150 g), Sheabutter 20 % (100 g), Rizinusöl 10 % (50 g). Mit den je Fett hinterlegten Verseifungszahlen (als NaOH: Olivenöl 0,135, Kokosöl 0,183, Sheabutter 0,128, Rizinusöl 0,128) ergibt sich eine theoretisch benötigte Laugenmenge von 200 × 0,135 + 150 × 0,183 + 100 × 0,128 + 50 × 0,128 = 27,0 + 27,45 + 12,8 + 6,4 = 73,65 g NaOH bei vollständiger, unüberfetteter Verseifung.
Mit 8 % Laugenunterschuss werden tatsächlich nur 73,65 × 0,92 ≈ 67,8 g NaOH eingesetzt, aufgelöst in 165 g Wasser (33 % der Fettmenge, ein üblicher Startwert für Körperseife). Die fertige Rohmasse vor dem Gießen wiegt damit rechnerisch rund 500 + 67,8 + 165 ≈ 732,8 g.
Beispiel 2: Ziegenmilch-Seife im Kaltverfahren
500 g Gesamtfett, Körperseife, 5 % Laugenunterschuss, NaOH, Kaltverfahren, mit Ziegenmilch statt Wasser (Kapitel 7): Kokosöl 30 % (150 g), Olivenöl 30 % (150 g), Sheabutter 25 % (125 g), Rizinusöl 15 % (75 g). Theoretisch benötigte Lauge: 150 × 0,183 + 150 × 0,135 + 125 × 0,128 + 75 × 0,128 = 27,45 + 20,25 + 16,0 + 9,6 = 73,3 g NaOH.
Mit 5 % Laugenunterschuss ergeben sich 73,3 × 0,95 ≈ 69,6 g NaOH. Die Ziegenmilch wird wie in Kapitel 7 beschrieben als Eiswürfel eingefroren und die Lauge langsam darübergegeben, um Verbrennen und Bräunung des Milchzuckers zu vermeiden – der zusätzliche Fettanteil der Milch trägt spürbar zur Pflege bei, ohne dass er hier gesondert in die Fettmischung eingerechnet wird.
Beispiel 3: Flüssigseifen-Paste auf KOH-Basis im Heißverfahren
300 g Gesamtfett, Flüssigseife (Kapitel 8, 13), 2 % Laugenunterschuss, KOH, Heißverfahren (Kapitel 6): Kokosöl 40 % (120 g), Olivenöl 40 % (120 g), Rizinusöl 20 % (60 g). Mit den KOH-Verseifungszahlen (Kokosöl 0,257, Olivenöl 0,19, Rizinusöl 0,18) ergibt sich: 120 × 0,257 + 120 × 0,19 + 60 × 0,18 = 30,84 + 22,8 + 10,8 = 64,44 g KOH theoretisch.
Mit 2 % Laugenunterschuss werden 64,44 × 0,98 ≈ 63,2 g KOH benötigt. Bei 25 % Laugenkonzentration (LIQUID-Standardwert, Kapitel 8) besteht die Laugenflüssigkeit insgesamt aus 63,2 g KOH und rund 189,5 g Wasser (63,2 / 0,25 ≈ 252,7 g Laugenflüssigkeit gesamt, davon 189,5 g Wasser). Die fertige Seifenpaste wiegt damit rechnerisch rund 552,7 g. Bei einem Standard-Pastenanteil von 30 % (Kapitel 8, 13) wird diese Paste anschließend auf etwa 552,7 / 0,30 ≈ 1842 g fertige Flüssigseife verdünnt, also mit rund 1289 g zusätzlichem Wasser.
Vertiefung
Vertiefung: Was diese drei Beispiele bewusst unterschiedlich zeigen
Die drei Beispiele wurden nicht zufällig gewählt, sondern um unterschiedliche Aspekte gezielt zu kontrastieren: Beispiel 1 zeigt die Standardrechnung mit Wasser, Beispiel 2 dieselbe Grundrechnung mit einer besonderen Laugenflüssigkeit (Kapitel 7), Beispiel 3 einen anderen Alkalityp (KOH statt NaOH), ein anderes Verfahren (Heißverfahren statt Kaltverfahren) und den zusätzlichen Verdünnungsschritt, den nur Flüssigseife kennt. Wer die Berechnungslogik hinter allen dreien nachvollzogen hat, kann sie auf praktisch jede andere Fettmischung und Seifenart aus Kapitel 8 übertragen.