Batch-Größe ändern: das Verhältnis bleibt, nur die Menge wächst
Eine Komposition lässt sich beliebig vergrößern oder verkleinern, solange das interne Verhältnis von Kopf-, Herz- und Basisnote (Kapitel 4) unverändert bleibt. Eine Komposition mit 25 % Kopf-, 30 % Herz- und 45 % Basisnote bleibt bei doppelter Gesamtmenge weiterhin bei 25/30/45 – nur die absoluten Mengen jedes einzelnen Rohstoffs verdoppeln sich mit. Wer eine bewährte Komposition für eine größere Charge plant, muss also keine neue Balance finden, sondern lediglich konsequent denselben Faktor auf jeden Rohstoff anwenden.
Zwischen Konzentrationsstufen umrechnen
Weil die App Komposition und Duftkonzentration getrennt rechnet (Kapitel 4), lässt sich dieselbe Komposition ohne Neuentwicklung auf eine andere Konzentrationsstufe übertragen – nur der Prozentsatz der Duftkonzentration ändert sich, das interne Verhältnis der Komposition bleibt exakt gleich. Eine für ein Eau de Parfum (12 %) entwickelte Komposition ergibt bei 6 % Duftkonzentration ein passendes Eau de Toilette – schwächer in der Gesamtwirkung und kürzer haltbar, aber mit identischem Charakter, weil sich am Verhältnis der Noten zueinander nichts ändert.
Diese einfache Übertragung stößt an eine Grenze: Beim Herunterrechnen auf sehr niedrige Konzentrationen (etwa Richtung Eau de Cologne) können einzelne, ohnehin nur in Spuren eingesetzte Basisnoten oder Fixierer unter eine praktisch noch sinnvoll abwiegbare Menge fallen. In solchen Fällen lohnt sich eine kleine Anpassung des internen Verhältnisses statt einer reinen Verdünnung, damit auch die kleinste Zutat noch in einer handhabbaren Menge vorliegt.
Einen Rohstoff ersetzen, ohne die Balance zu verlieren
Steht ein Rohstoff nicht zur Verfügung oder soll aus anderem Grund ersetzt werden, ist die verlässlichste erste Wahl ein Ersatz mit derselben Rolle (Kopf, Herz oder Basis) und möglichst ähnlicher Duftfamilie (Kapitel 9) – etwa eine andere Zitrusnote als Ersatz für Bergamotte in einer Kopfnote. Ein Ersatz aus einer völlig anderen Familie oder mit anderer Rolle verändert den Charakter der Komposition spürbar und ist eher eine bewusste Neuentwicklung als ein einfacher Austausch.
Über Rolle und Familie hinaus lohnt ein Blick auf die technische Verträglichkeit des Ersatzstoffs mit den übrigen Rohstoffen (Kapitel 9) und auf dessen IFRA-Grenzwerte (Kapitel 8): Zwei Rohstoffe können geruchlich nahezu austauschbar sein und trotzdem sehr unterschiedliche Höchstmengen mitbringen – ein Ersatz, der geruchlich passt, aber die Rezeptur an eine neue, engere Grenze heranführt, verlangt entsprechend eine niedrigere Dosierung als der ursprüngliche Rohstoff.
Vertiefung
Vertiefung: Wenn der Ersatzrohstoff eine andere Intensität hat
Selbst zwei Rohstoffe derselben Familie und Rolle können sehr unterschiedlich stark riechen – ein direkter 1:1-Austausch der Menge ist deshalb nicht automatisch die richtige Wahl. Bevor eine ganze Charge umgestellt wird, lohnt sich ein kleiner Testansatz mit dem neuen Rohstoff, um die passende Menge für eine vergleichbare Wirkung zu finden, statt die alte Mengenangabe unverändert zu übernehmen.
Vertiefung
Vertiefung: Große Chargen und die Fortpflanzung kleiner Fehler
Eine kleine Ungenauigkeit beim Abwiegen fällt bei einem 10-g-Testansatz kaum auf, wirkt sich aber bei einer großen Charge in absoluten Mengen entsprechend stärker aus – vor allem bei Rohstoffen, die ohnehin nur in sehr kleinen Anteilen eingesetzt werden (z. B. stark riechende Basisnoten oder Fixierer). Je größer die geplante Charge, desto wichtiger wird eine präzise Waage und ein sorgfältiges, nachvollziehbares Abwiegen jedes einzelnen Rohstoffs.