Botanische Einordnung
Vanille (Vanilla planifolia, Familie Orchidaceae) ist keine krautige Pflanze, sondern eine kletternde Orchideen-Liane, die sich mit Luftwurzeln an Bäumen oder Stützpfählen hochrankt. Genutzt werden Schote und Samen getrennt: Außerhalb ihrer mexikanischen Heimat fehlt der spezialisierte Bestäuber (eine Melipona-Bienenart), weshalb praktisch der gesamte Welthandel auf handbestäubten Blüten beruht – eine Technik, die 1841 der zwölfjährige, versklavte Edmond Albius auf Réunion (einer der "Bourbon-Inseln", siehe Vanilleextrakt) entwickelte und die bis heute kaum verändert angewendet wird.
Wofür sie traditionell verwendet wird
Vanille wurde bereits von den Totonaken im heutigen Mexiko kultiviert und aromatisiert, bevor sie über die Azteken nach Europa gelangte – über Jahrhunderte in erster Linie als Duft- und Aromastoff, nicht als Heilpflanze. In der Naturkosmetik steht heute vor allem ihr warmes, balsamisches Duftprofil im Vordergrund, ergänzt um einen pflegenden Ruf, der sich eher aus der traditionellen Verwendung als aus geprüften Wirkaussagen speist.
Passende Essenz-Verfahren
Vor jeder Extraktion steht Curing (Kurieren): Grüne Schoten enthalten die Aromavorstufen nur gebunden als Glucoside und riechen deshalb kaum – erst der mehrstufige Fermentationsprozess setzt das charakteristische Vanillin frei. Erst danach eignen sich die kurierten Schoten für die von dieser App bevorzugten Verfahren: eine Tinktur (kleingeschnitten in Alkohol mazeriert, der klassische Weg zum Vanilleextrakt) oder Pflanzenpulver aus gemahlenen, getrockneten Schoten. Ein im Handel erhältliches "Vanille-Extraktpulver" ist meist kein reines Pflanzenpulver, sondern trägerstoffgebundener Extrakt – für ein wirklich reines Pflanzenpulver lohnt der Blick auf die Zutatenliste. Ein Hydrolat ist als Nebenoption ebenfalls möglich, bleibt aber deutlich schwächer im Aroma: Vanillin und die begleitenden Phenole gehen bei der Wasserdampfdestillation nur in geringem Umfang ins Destillat über – aus demselben Grund gibt es auch kein nennenswertes echtes ätherisches Öl aus Vanille.
Worauf zu achten ist
Vanille liefert kein destilliertes ätherisches Öl im klassischen Sinn – Handelsprodukte, die "Vanilleöl" heißen, sind fast immer verdünnte Absolue, Oleoresin oder ein Mazerat, teils mit synthetischem Vanillin gestreckt. Für die beiden Vanilleextrakt-Rohstoffe dieser App (Vanilleextrakt, Vanilleextrakt) gilt dieselbe Vorsicht: Herkunfts- und Verfahrensangaben des Lieferanten prüfen, statt sich auf den Namen allein zu verlassen.