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Seife · Überlieferung

Marseiller Seife

Die eingeprägte Zahl 72 ist kein Schmuck, sondern ein altes Gütezeichen: So hoch musste der Anteil pflanzlicher Öle mindestens sein. Eine ruhige, geruchsarme Alltagsseife aus dem mehrtägigen Kesselverfahren.

Woher sie kommt

Seit dem 17. Jahrhundert regelte ein königlicher Erlass, was sich Savon de Marseille nennen durfte - unter anderem, dass nur pflanzliche Öle verwendet werden. Die eingeprägte „72 %" steht für den Mindestanteil dieser Öle am fertigen Stück.

Der Name ist bis heute nicht geschützt; er sagt also mehr über eine Machart als über eine Herkunft.

Das überlieferte Verfahren

Gesotten wurde mit Sodalauge aus Pflanzenasche, über mehrere Tage und in mehreren Durchgängen. Zwischen den Durchgängen wurde die Masse mit Salzwasser ausgewaschen, was Glycerin und Reste entfernte. Danach floss sie in flache Gruben, härtete aus, wurde geschnitten und mehrere Wochen an der Luft getrocknet.

Was zu Hause anders ist

Wie bei der Aleppo-Seife fehlt das Auswaschen, weshalb ein kleiner Sicherheitsabstand bei der Überfettung bleibt. Und weil das Glycerin im Stück bleibt, ist die häusliche Fassung etwas weicher und pflegender als das Original - kein Nachteil, aber ein Unterschied.

Ein Anteil Kokosöl neben dem Olivenöl entspricht nicht der reinen Lehre, macht die Seife aber schaumfreudiger, als es heutige Erwartungen verlangen.