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Rohstoff · Fachbegriff

Alkohol: Stärke, Zucker, Aroma

Was ein Alkohol im Rezept leisten kann, entscheidet sein Ethanolgehalt – und was er sonst noch mitbringt. Ein hochprozentiger Rum hat die Stärke eines Trägers, aber Zucker, Farbe und Aroma machen ihn zu etwas anderem.

Der Ethanolgehalt entscheidet, was geht

Alle Trinkalkohole enthalten denselben Stoff - Ethanol -, nur in verschiedener Menge. Und daran hängt fast alles:

  • Auszug und Tinktur: ab etwa 40 %; je höher, desto mehr fettlösliche Anteile gehen mit über.
  • Gesichtswasser, Spray, Deo: kleine Anteile genügen, um ätherisches Öl in Lösung zu halten.
  • Parfüm: 70 bis 95 %. Darunter trübt die Mischung, weil das mitgebrachte Wasser die Duftstoffe nicht löst.
  • Konservierung: erst ab etwa 20 % im fertigen Produkt. Mit einem 40-prozentigen Alkohol hieße das: die halbe Rezeptur.

Was außer Ethanol noch mitkommt

Genau hier trennen sich die Getränke von den Werkstoffen. Ein Alkohol bringt selten nur Ethanol und Wasser mit:

Zucker klebt und bleibt zurück - Likör und viele Rumsorten sind gesüßt. Farbe geht ins Erzeugnis über, ob man sie will oder nicht. Aroma überstimmt eine Duftkomposition mühelos. Extrakt aus Fasslagerung macht die Flüssigkeit schwerer, als ihre Stärke vermuten lässt.

Deshalb ist der Träger eines Parfüms neutraler Alkohol - Weingeist oder Primasprit mit etwa 96 % -, kein Getränk. Ein Rum mit 73 % hätte die Stärke, aber er bringt eine ganze Komposition mit, ob man will oder nicht.

Stärke ist keine Eigenschaft des Rohstoffs

Rum gibt es mit 37,5 %, mit 57 % und als Overproof mit über 70 %. Für die App ist das kein neuer Rohstoff, sondern derselbe mit anderer Produktstärke - eintragen kann man sie am Rohstoff im Rezept. Nur Wein und Portwein haben feste Modellwerte (12 und 20 %), weil ihre Spanne eng ist.

Aus der eingetragenen Stärke rechnet die App den tatsächlichen Ethanolanteil des Endprodukts - samt Dichtekorrektur. Das ist nötig, weil Alkohol leichter ist als Wasser: Bei 73 % ergeben 100 ml deutlich weniger Gramm als bei 40 %.

Träger oder Wirkstoffanteil?

Eine Frage, die sich nicht am Rohstoff entscheidet, sondern an der Menge. Derselbe Alkohol ist bei 5 % ein Wirkstoffanteil und bei 80 % der Träger - die Funktion bleibt in beiden Fällen Lösungsmittel, die Rolle ergibt sich aus dem Rezept.

Für den Träger braucht es allerdings beides: genug Ethanol und Neutralität. Die Stärke allein macht aus einem Getränk keinen Werkstoff.

Was nicht hineingehört

Methanol, Isopropanol und Brennspiritus sind keine Auszugsmittel. Die App lässt sie ausdrücklich nicht zu - sie sind giftig oder vergällt mit Stoffen, die auf der Haut nichts verloren haben. Zugelassen sind Ethanol und daraus gewonnene Spirituosen.