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Grundlagen · Seife

Grundprinzip: Verseifung – aus Fett und Lauge wird Seife

Die einzige Produktwelt, in der eine chemische Reaktion neue Stoffe erzeugt, statt vorhandene nur zu kombinieren – und warum sich danach kaum noch etwas korrigieren lässt.

Eine echte chemische Reaktion, kein Mischen

In fast jeder anderen Produktwelt dieser App werden Rohstoffe kombiniert, die am Ende genau die Stoffe sind, mit denen begonnen wurde – ein Öl bleibt Öl, ein Emulgator bleibt Emulgator. Bei der Seifenherstellung ist das anders: Fett (chemisch: Triglyceride) reagiert mit einer starken Lauge (Natrium- oder Kaliumhydroxid) in einer echten chemischen Reaktion, der Verseifung. Am Ende der Reaktion existieren weder das ursprüngliche Fett noch die ursprüngliche Lauge unverändert – stattdessen sind zwei neue Stoffe entstanden: Seife (ein Salz der Fettsäuren) und Glycerin.

Verseifung erzeugt neue Stoffe, sie mischt nicht nur vorhandene – deshalb lässt sich eine begonnene Reaktion später kaum noch korrigieren, nur noch ergänzen.

Warum sich danach kaum noch etwas korrigieren lässt

Sobald Fett und Lauge zusammengegeben wurden, läuft die Reaktion – begrenzt durch die eingesetzten Mengen. Wer zu wenig Lauge einsetzt, bekommt eine Seife mit überschüssigem, unverseiftem Fett; wer zu viel Lauge einsetzt, bekommt eine Seife mit überschüssiger, ätzender Restlauge. Beides lässt sich nachträglich nicht mehr sauber trennen oder korrigieren, weil die Reaktion bereits stattgefunden hat. Das unterscheidet Seife von praktisch jeder anderen Produktwelt in dieser App: Die Berechnung (Kapitel 4) steht zwingend vor der Herstellung, nicht während oder danach.

Deshalb dieser Leitfaden vor der ersten SeifeAnders als etwa bei einer Creme oder einem Duftöl ist ein misslungener Seifenansatz kein "noch mal nachjustieren", sondern im schlechtesten Fall verlorenes Material und im Zweifel eine ätzende Restlauge im fertigen Stück. Die Reihenfolge Sicherheit → Berechnung → Herstellung in diesem Leitfaden ist deshalb keine Formsache.

Was die Verseifungszahl mit alledem zu tun hat

Damit die Berechnung überhaupt möglich ist, muss bekannt sein, wie viel Lauge ein bestimmtes Fett zur vollständigen Verseifung braucht. Dieser Wert heißt Verseifungszahl (SAP-Wert) und ist für jedes Fett unterschiedlich, weil sich Fette in ihrer Fettsäurezusammensetzung unterscheiden – in der App ist er je Rohstoff hinterlegt (als Gramm KOH pro Gramm Fett) und bildet die Grundlage jeder Laugenberechnung. Kapitel 4 geht darauf im Detail ein.

Vertiefung

Vertiefung: Warum manche Fette härtere, andere weichere Seife ergeben

Fette bestehen aus unterschiedlichen Fettsäuren, und diese Fettsäuren bestimmen die Eigenschaften der daraus entstehenden Seife. Gesättigte Fettsäuren (viel in Kokosöl, Palmöl, tierischen Fetten) ergeben eher harte, stark reinigende Seifen mit stabilem, aber eher kleinblasigem Schaum. Ungesättigte Fettsäuren (viel in Olivenöl, Sonnenblumenöl) ergeben eher weiche, milde, pflegende Seifen mit weniger ausgeprägtem Schaum. Kapitel 3 geht auf dieses Zusammenspiel und die daraus resultierende Ölmischung im Detail ein – hier reicht die Erkenntnis, dass die Wahl des Fetts die Eigenschaften der fertigen Seife von Anfang an mitbestimmt, nicht erst nachträglich durch Zusätze.

Vertiefung

Vertiefung: Warum Glycerin in industrieller Seife oft fehlt, in selbstgemachter aber bleibt

Das bei der Verseifung entstehende Glycerin ist ein wertvoller, feuchtigkeitsbindender Stoff, der der Seife ein angenehmes, weniger austrocknendes Hautgefühl gibt. In der industriellen Massenproduktion wird es häufig aus der fertigen Seifenmasse abgetrennt und separat weiterverkauft (etwa für Kosmetik oder Pharmazie), weil es wirtschaftlich wertvoller ist als in der Seife zu verbleiben. Selbstgemachte Seife im Kalt- oder Heißverfahren (Kapitel 5 und 6) behält das entstandene Glycerin dagegen vollständig in der Seife – einer der oft genannten Gründe, warum handgemachte Seife im Vergleich zu mancher industriellen Seife als milder empfunden wird.