Beispiel 1: Beruhigende Creme für empfindliche Haut
Eine Emulsion, Zielmenge 100 g. Bei 100 g entsprechen die Prozentwerte direkt den Gramm-Mengen (Kapitel 8) – das macht dieses erste Beispiel besonders leicht nachvollziehbar.
Beruhigend und empfindliche Haut bedeutet: milde Basis, zurückhaltender Duft, reizarme Wirkstoffe. Deshalb Kamillenhydrolat statt reinem Wasser (zusätzliche beruhigende Wirkung), Panthenol als sanfter Wirkstoff, Lavendelöl niedrig dosiert statt eines intensiveren Duftprofils. 71 % Wasserphase und 17 % Ölphase liegen innerhalb der Richtwerte aus Kapitel 4; 5 % Emulgator ist eine übliche Mindestmenge (immer die Herstellerangabe prüfen). Konservierung und Duft bleiben bewusst niedrig – bei empfindlicher Haut ist weniger meist verträglicher (Kapitel 3, 9).
Beispiel 2: Klärende Lotion für unreine, fettige Haut
Wieder eine Emulsion, aber diesmal Zielmenge 150 g – hier weichen Prozent- und Gramm-Werte erstmals bewusst voneinander ab, ganz wie in der Praxis üblich (Kapitel 8).
Auffällig im Vergleich: Die Ölphase schrumpft von 17 % auf nur noch 8 % – fettige Haut braucht keine reichhaltige Rückfettung, sondern eine leichte, nicht komedogene Basis (Kapitel 9, "Fehler bei der Emulsion"). Statt Sheabutter kommt deshalb gar keine Butter zum Einsatz, nur ein leichtes Öl. Hamamelis ersetzt Kamille als Hydrolat, weil es adstringierend statt beruhigend wirkt – dieselbe Rolle in der Rezeptur (Wasserphase mit Zusatznutzen), aber ein anderer Wirkstoff für ein anderes Ziel.
Beispiel 3: Schützender Lippenbalsam für trockene, strapazierte Haut
Ein völlig anderer Aufbau: keine Wasserphase, kein Emulgator, keine klassische Konservierung (Kapitel 6). Zielmenge 50 g.
12 % Wachs liegt genau im Balsam-Richtwert aus Kapitel 6 (10–15 %). Zwei Butter (Sheabutter und Kakaobutter) statt nur einer sorgen gemeinsam für Reichhaltigkeit und zusätzliche Festigkeit. Vitamin E schützt die empfindlichen Öle vor dem Ranzigwerden (Kapitel 1, Vertiefung) – bei einem wasserfreien Produkt ohne Konservierung übernimmt es diese Schutzfunktion, statt gegen Mikroorganismen zu wirken.
Das Muster, das sich über alle drei Beispiele zieht
Trotz völlig unterschiedlicher Zutaten und Prozentwerte folgen alle drei Beispiele derselben Denkreihenfolge aus Kapitel 4: zuerst Trägerstoffe (bestimmen Form und Menge), dann gezielte Wirkstoffe fürs jeweilige Pflegeziel, dann Textur/Technik nach Bedarf, Duft zuletzt und niedrig dosiert.
Praxis-TippFür ein eigenes viertes Beispiel: erst Produktform wählen (Kapitel 1), dann diese Reihenfolge einmal komplett durchgehen, bevor die erste Zahl auf die Waage kommt.