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Grundlagen · Duft

Trägersysteme im Überblick

Alkohol, Öl, Wachs, Diffusorbasis, Wasser – welches Trägersystem zu welcher Produktform passt, und warum die Wahl selten beliebig ist.

Der Träger ist kein neutrales Füllmaterial

Die Duftkomposition selbst macht in einem fertigen Produkt oft nur wenige Prozent aus – der weit größere Anteil ist der Träger: das Medium, in dem die Duftstoffe gelöst oder verteilt sind. Der Träger ist dabei alles andere als neutral. Er beeinflusst, wie schnell sich der Duft entfaltet, wie er auf der Haut oder im Raum wirkt, wie lange er hält, und welche Sicherheits- und Konservierungsfragen überhaupt relevant werden.

Alkohol (Ethanol) Klassischer Parfümträger. Löst die meisten Duftstoffe vollständig, verdunstet schnell und trägt den Duft dadurch weit – aber entzündlich und auf sehr empfindlicher Haut potenziell austrocknend.
Öl (z. B. Jojoba, Mandel, MCT) Hautfreundlich, punktueller, ruhigerer Auftrag. Verdunstet selbst kaum, der Duft entfaltet sich langsamer und bleibt näher an der Haut.
Wachs/Butter Fest bis cremig, für Duftbalsame. Gibt Duftstoffe durch Körperwärme langsam frei – die langsamste, sanfteste Freisetzung aller Trägersysteme.
Diffusorbasis Speziell auf Kapillarwirkung mit Rattanstäbchen abgestimmt – nicht jedes Öl oder Alkohol-Gemisch steigt in den Stäbchen gleich gut auf.
Wasser/Hydrolat Für Body Splash und Raumspray ohne oder mit wenig Alkohol. Braucht meist einen Lösungsvermittler, da die meisten Duftstoffe öllöslich sind (siehe Kapitel 9).

Welcher Träger zu welcher Produktform gehört

In der App ist diese Zuordnung nicht beliebig, sondern je Produktform als carrierRoleIds hinterlegt – jede Produktform lässt nur bestimmte Trägerrollen zu, weil nicht jede Kombination praktisch funktioniert:

Parfüm / ParfümsprayAlkohol, teils mit etwas destilliertem Wasser gestreckt.
ParfümölBasisöl (z. B. Jojoba, MCT).
Roll-onBasisöl oder Alkohol – hier ist beides zulässig, je nach gewünschtem Hautgefühl.
DuftbalsamBasisöl, Butter und/oder Wachs.
Body SplashAlkohol, destilliertes Wasser oder Hydrolat.
StäbchendiffuserEigene Diffusorbasis oder Alkohol – nicht jedes Öl funktioniert kapillar.

Diese Zuordnung ist kein willkürliches Regelwerk, sondern spiegelt, was physikalisch überhaupt funktioniert: Ein Duftbalsam auf reiner Alkoholbasis würde nicht fest werden, ein Parfümöl auf Wasserbasis würde sich ohne Lösungsvermittler sichtbar absetzen.

Vertiefung

Vertiefung: Warum manche Träger den Duft "weiter tragen" als andere

Die Redewendung "der Duft trägt weit" hat einen konkreten physikalischen Hintergrund: Ein selbst flüchtiger Träger wie Alkohol verdunstet zügig von der Haut oder aus der Luft und reißt dabei einen Teil der gelösten Duftmoleküle mit sich – das sorgt für einen ausgeprägten, weiträumig wahrnehmbaren ersten Eindruck (die sogenannte Sillage, französisch für "Kielwasser"). Ein wenig flüchtiger Träger wie Jojobaöl verdunstet dagegen kaum; die Duftmoleküle lösen sich viel langsamer aus der Ölschicht, wodurch der Duft näher an der Haut bleibt, aber oft länger auf der Haut selbst nachweisbar ist.

Das erklärt auch, warum ein und dieselbe Komposition als Parfümöl deutlich zurückhaltender wirkt als als alkoholisches Eau de Parfum, selbst bei vergleichbarer Duftkonzentration in Prozent – der Unterschied liegt nicht in der Menge, sondern im Trägerverhalten.

Vertiefung

Vertiefung: Mischsysteme als Alternative zu reinem Alkohol

Wo reines Ethanol nicht verfügbar, zu teuer oder aus anderen Gründen unerwünscht ist, lassen sich Trägersysteme mischen – etwa ein Gemisch aus einem hohen Ethanolanteil und einem kleineren Anteil eines leichten Öls wie MCT (mittelkettige Triglyceride), wie es im Bestand als technische Testreferenz für Stäbchendiffuser hinterlegt ist. Solche Mischsysteme verhalten sich nicht einfach als Mittelwert der beiden Einzelsysteme: Löslichkeit, Verdunstungsgeschwindigkeit und Kapillarverhalten in Diffusorstäbchen müssen jeweils praktisch geprüft werden, statt aus den Eigenschaften der Einzelstoffe vorhergesagt zu werden.