Der Träger ist kein neutrales Füllmaterial
Die Duftkomposition selbst macht in einem fertigen Produkt oft nur wenige Prozent aus – der weit größere Anteil ist der Träger: das Medium, in dem die Duftstoffe gelöst oder verteilt sind. Der Träger ist dabei alles andere als neutral. Er beeinflusst, wie schnell sich der Duft entfaltet, wie er auf der Haut oder im Raum wirkt, wie lange er hält, und welche Sicherheits- und Konservierungsfragen überhaupt relevant werden.
Welcher Träger zu welcher Produktform gehört
In der App ist diese Zuordnung nicht beliebig, sondern je Produktform als carrierRoleIds hinterlegt – jede Produktform lässt nur bestimmte Trägerrollen zu, weil nicht jede Kombination praktisch funktioniert:
Diese Zuordnung ist kein willkürliches Regelwerk, sondern spiegelt, was physikalisch überhaupt funktioniert: Ein Duftbalsam auf reiner Alkoholbasis würde nicht fest werden, ein Parfümöl auf Wasserbasis würde sich ohne Lösungsvermittler sichtbar absetzen.
Vertiefung
Vertiefung: Warum manche Träger den Duft "weiter tragen" als andere
Die Redewendung "der Duft trägt weit" hat einen konkreten physikalischen Hintergrund: Ein selbst flüchtiger Träger wie Alkohol verdunstet zügig von der Haut oder aus der Luft und reißt dabei einen Teil der gelösten Duftmoleküle mit sich – das sorgt für einen ausgeprägten, weiträumig wahrnehmbaren ersten Eindruck (die sogenannte Sillage, französisch für "Kielwasser"). Ein wenig flüchtiger Träger wie Jojobaöl verdunstet dagegen kaum; die Duftmoleküle lösen sich viel langsamer aus der Ölschicht, wodurch der Duft näher an der Haut bleibt, aber oft länger auf der Haut selbst nachweisbar ist.
Das erklärt auch, warum ein und dieselbe Komposition als Parfümöl deutlich zurückhaltender wirkt als als alkoholisches Eau de Parfum, selbst bei vergleichbarer Duftkonzentration in Prozent – der Unterschied liegt nicht in der Menge, sondern im Trägerverhalten.
Vertiefung
Vertiefung: Mischsysteme als Alternative zu reinem Alkohol
Wo reines Ethanol nicht verfügbar, zu teuer oder aus anderen Gründen unerwünscht ist, lassen sich Trägersysteme mischen – etwa ein Gemisch aus einem hohen Ethanolanteil und einem kleineren Anteil eines leichten Öls wie MCT (mittelkettige Triglyceride), wie es im Bestand als technische Testreferenz für Stäbchendiffuser hinterlegt ist. Solche Mischsysteme verhalten sich nicht einfach als Mittelwert der beiden Einzelsysteme: Löslichkeit, Verdunstungsgeschwindigkeit und Kapillarverhalten in Diffusorstäbchen müssen jeweils praktisch geprüft werden, statt aus den Eigenschaften der Einzelstoffe vorhergesagt zu werden.