Parfümöl und Roll-on: einfacher als alkoholische Produkte, aber nicht beliebig
Bei einem Parfümöl wird die fertige Duftkomposition direkt in das Trägeröl eingerührt – ohne Verseifung, ohne Emulgator, ohne Erhitzen. Der wichtigste Unterschied zur alkoholischen Herstellung: Es gibt keine echte Notwendigkeit einer mehrwöchigen Mazeration, weil kein Alkoholgeruch abklingen muss, der die Komposition überdecken könnte. Trotzdem lohnt sich eine kurze Ruhezeit von einigen Tagen – die Duftstoffe verteilen sich gleichmäßiger im Öl, und einzelne scharfe Randnoten wirken danach etwas ausgeglichener.
Praktischer AblaufTrägeröl und Komposition abwiegen, gründlich verrühren, in ein lichtgeschütztes Gefäß füllen, einige Tage ruhen lassen, dann erst final in das Verkaufs- oder Anwendungsgefäß (bei Roll-on: samt Rollerball-Aufsatz) abfüllen.
Duftbalsam: warum die Zugabetemperatur entscheidend ist
Ein Duftbalsam wird aus geschmolzenem Wachs, Butter und Öl hergestellt (siehe auch die entsprechenden Kapitel der Pflegekosmetik-Herstellung für die Grundtechnik). Der einzige, aber wichtige Unterschied zu einem reinen Pflegebalsam: wann die Duftkomposition zugegeben wird.
Zu heiß zugegeben, verlieren empfindliche Kopfnoten einen Teil ihrer Wirkung, bevor das Produkt überhaupt fertig ist.
Wachs und Butter müssen zum Schmelzen auf mehrere Dutzend Grad erhitzt werden – bei dieser Temperatur würden leichte, flüchtige Duftstoffe teils sofort mitverdunsten oder sich durch die Wärme chemisch verändern. Deshalb wird die Mischung nach dem Schmelzen zunächst abkühlen gelassen, bis sie kurz vor dem Fest-Werden steht (handwarm bis leicht warm, aber nicht mehr heiß), und erst dann wird die Duftkomposition eingerührt – schnell, aber gründlich, bevor die Masse vollständig erstarrt.
Antioxidans: sinnvoll, aber kein Muss
Pflanzenöle können mit der Zeit ranzig werden – ein oxidativer Prozess, der durch Licht, Wärme und Luftkontakt beschleunigt wird. Ein Antioxidans wie Vitamin E verlangsamt diesen Prozess, ersetzt aber keine sorgfältige Lagerung (dicht verschlossen, kühl, dunkel). Wie dringend ein Antioxidans gebraucht wird, hängt vom gewählten Trägeröl ab: Sehr stabile Öle wie Jojobaöl (technisch ein flüssiges Wachs, kein klassisches Triglycerid-Öl) ranzen von Natur aus deutlich langsamer als sehr ungesättigte Öle.
Vertiefung
Vertiefung: Warum Öl-Parfüms weniger stark reifen müssen als alkoholische
Der Hauptgrund für die lange Mazerationszeit bei alkoholischen Produkten (Kapitel 5) ist das Zurücktreten des anfangs dominanten Alkoholgeruchs sowie die feine Verbindung von Ethanol und Duftstoffen auf molekularer Ebene. Beides entfällt bei einem Öl-Parfüm weitgehend: Öl selbst hat kaum einen dominanten Eigengeruch, der zurücktreten müsste, und die Duftstoffe sind von Anfang an vollständig im Öl gelöst, ohne den zweistufigen "Verschmelzungsprozess" mit einem zweiten flüchtigen Lösungsmittel. Die verbleibende, kurze Ruhezeit dient vor allem der gleichmäßigen Verteilung und dem leichten Ausgleich einzelner Randnoten – nicht demselben chemischen Reifungsprozess wie beim Alkohol.
Vertiefung
Vertiefung: Rollerball-Mechanik und die richtige Viskosität
Ein Rollerball-Aufsatz funktioniert nach einem einfachen mechanischen Prinzip: Die Kugel liegt in einer Fassung, die Flüssigkeit im Innern benetzt die Kugel von unten, beim Kontakt mit der Haut nimmt die drehende Kugel etwas Flüssigkeit mit nach außen. Das funktioniert nur in einem bestimmten Viskositätsfenster: Zu dünnflüssige Öle (etwa reines MCT ohne Zusätze) laufen leicht unkontrolliert an der Kugel vorbei aus, zu dickflüssige oder gar leicht wachshaltige Mischungen benetzen die Kugel nicht ausreichend und geben zu wenig ab. Die meisten gängigen Basisöle wie Jojoba- oder Mandelöl liegen von Haus aus in einem für Rollerbälle gut geeigneten Bereich.