Beispiel 1: Leichtes Parfümöl "Zitrus-Wald"
Zielmenge 30 g, Duftkonzentration 6 % (Kapitel 4). Komposition nach dem "Zitrus-Wald"-Akkord (Kapitel 9): Bergamotte als Kopf, Zedernholz als Basis im Verhältnis 7 zu 3.
6 % Duftkonzentration von 30 g ergibt 1,8 g Komposition – davon 70 % (1,26 g) Bergamotte und 30 % (0,54 g) Zeder, exakt im Akkord-Verhältnis aus Kapitel 9. Das reichhaltige Trägeröl trägt den Duft nah an der Haut, ohne dass Alkohol verdunstet (Kapitel 2) – deshalb reicht schon diese niedrige Konzentration für ein deutlich wahrnehmbares Ergebnis.
Beispiel 2: Alkoholisches Eau de Parfum "Dunkle Rose"
Zielmenge 100 g, Duftkonzentration 15 % (Kapitel 4). Komposition um den "Dunkle Rose"-Akkord (Rose/Sandelholz, Verhältnis 6 zu 4) erweitert um eine Kopfnote.
Von den 15 g Komposition entfallen 20 % (3 g) auf die Kopfnote, die restlichen 80 % teilen sich im Akkord-Verhältnis 6:4 auf Herz (48 % der Komposition, 7,2 g) und Basis (32 %, 4,8 g) auf. Anders als Beispiel 1 braucht diese Komposition die volle, in Kapitel 5 beschriebene Reifezeit, bevor sie abgefüllt wird.
Beispiel 3: Raumduft für einen mittelgroßen Raum
Zielmenge 100 g Diffuserflüssigkeit, Duftkonzentration 18 % – innerhalb der ausgewogenen Stufe der in Kapitel 7 genannten Orientierung (15–25 %), passend für einen mittelgroßen Raum (etwa 15–20 m²) mit 6 Stäbchen.
Anders als bei den beiden vorherigen Beispielen braucht diese Rezeptur keine Kopf-Herz-Basis-Architektur – ein Raumduft wird meist bewusst einfacher aufgebaut, oft aus ein bis zwei Noten derselben Familie (hier: Frisch & Vital, Kapitel 9), weil die Wirkung über Wochen gleichbleibend und nicht als zeitlicher Verlauf wahrgenommen wird (Kapitel 7).
Das Muster, das sich über alle drei Beispiele zieht
Trotz völlig unterschiedlicher Träger, Konzentrationen und Verwendungszwecke folgen alle drei Beispiele derselben Reihenfolge: zuerst Produktform und Konzentration festlegen (Kapitel 2, 4), dann die Komposition anhand eines Akkords oder einer Duftfamilie aufbauen (Kapitel 9), und erst danach die absoluten Mengen für die Zielgröße ausrechnen (Kapitel 10) – nie umgekehrt.
Alle Mengenangaben sind OrientierungDie genannten Prozentsätze sind plausible, in der Praxis gebräuchliche Beispielwerte – keine festen Vorgaben. Für einzelne Rohstoffe bleiben die dokumentierten IFRA-Höchstmengen (Kapitel 8) in jedem Fall die verbindliche Obergrenze.