Beispiel 1: Kamillen-Aufguss für ein beruhigendes Gesichtswasser
- Droge: 15 g getrocknete Kamillenblüten
- Medium: 150 g Wasser, ca. 95 °C
- Verhältnis: 1:10
- Verfahren: Aufguss, 10–15 Minuten bedeckt ziehen lassen (Kapitel 5)
- Planungsspanne Ausbeute (Aufguss, 78–92 %): rund 117–138 g nutzbarer Aufguss
Kamille und Aufguss sind bewusst die einfachste Kombination des Leitfadens: zartes Pflanzenmaterial, kurzes, unkompliziertes Verfahren, schnelles Ergebnis – der ideale erste eigene Ansatz. Das Verhältnis 1:10 ist für einen milden, als Gesichtswasser direkt verwendbaren Aufguss typisch; ein konzentrierterer Aufguss (z. B. 1:5) wäre eher als Zwischenschritt für eine spätere Weiterverarbeitung gedacht.
Beispiel 2: Ringelblumen-Ölmazerat für eine Pflegesalbe
- Droge: 25 g getrocknete Ringelblumenblüten
- Medium: 125 g Sonnenblumenöl
- Verhältnis: 1:5
- Verfahren: Kaltmazeration, 3–4 Wochen (Kapitel 6)
- Planungsspanne Ausbeute (Kaltmazeration, Trägeröl, getrocknetes Material: 59–84 %): rund 74–105 g nutzbares Mazerat
Anders als Beispiel 1 braucht dieser Ansatz Wochen statt Minuten – dafür entsteht ein deutlich haltbareres Zwischenprodukt, das sich direkt zu einer Salbe oder einem Balsam weiterverarbeiten lässt (siehe Pflegekosmetik-Leitfaden, Kapitel 6). Getrocknetes statt frisches Material wurde hier bewusst gewählt, um das Schimmelrisiko durch Restfeuchte zu vermeiden (Kapitel 6) – die etwas breitere, nach unten verschobene Ausbeutespanne ist der Preis dafür.
Beispiel 3: Lavendel-Tinktur für ein beruhigendes Tonikum
- Droge: 20 g getrocknete Lavendelblüten
- Medium: 100 g Ethanol, ca. 70 % vol.
- Verhältnis: 1:5
- Verfahren: Mazeration (Tinktur), 2–4 Wochen (Kapitel 7)
- Planungsspanne Ausbeute (Mazeration, Alkohol, getrocknetes Material: 64–88 %): rund 64–88 g nutzbare Tinktur
Dieselbe Grundtechnik wie Beispiel 2 (Kaltmazeration), aber mit Alkohol statt Öl als Medium – das Ergebnis ist eine über Jahre haltbare, stark konzentrierte Tinktur statt eines mittelfristig haltbaren Ölauszugs. Die etwas höhere Ausbeutespanne gegenüber Beispiel 2 liegt am dünnflüssigeren Medium, das sich leichter aus dem Pflanzenrückstand auspressen lässt als zähes Öl.
Das Muster, das sich über alle drei Beispiele zieht
Trotz unterschiedlicher Pflanzen, Medien und Zeiträume folgen alle drei Beispiele derselben Reihenfolge: zuerst das Ziel klären (schnelles Gesichtswasser, haltbare Salbenbasis, langlebiges Tonikum), daraus das passende Medium ableiten (Kapitel 9), dann Verhältnis und Ziehzeit anhand des gewählten Verfahrens festlegen (Kapitel 5–8) und erst am Ende die tatsächliche Ausbeute realistisch einplanen (Kapitel 11) statt sie zu erhoffen.
Alle Mengenangaben sind OrientierungDie genannten Verhältnisse und Ausbeutespannen sind plausible, in der Praxis gebräuchliche Beispielwerte – keine festen Vorgaben. Für eine bestimmte Pflanze können andere Verhältnisse ebenso geeignet oder sogar vorzuziehen sein.